Bilanz der Menschlichkeit

Rotkreuz-Generalsekretär
Dr. Wolfgang Kopetzky

Die Wirtschaftskrise hat ganz Europa im Griff. Unsere Rotkreuz- Kolleginnen und -Kollegen berichten von immer mehr hilfsbedürftigen Menschen. Auch in Österreich haben sich heuer wieder mehr Männer und Frauen an die Rotkreuz-Spontanhilfe gewandt. Sie können Heizkostenrechnungen, Miete oder dringend benötigte Medikamente nicht mehr bezahlen. Trotz schrumpfender Einnahmen in vielen europäischen Rotkreuz-Gesellschaften erweitern wir alle unsere Hilfsprogramme, um den steigenden Bedarf an Hilfe zu decken.

 

Unsere Aufmerksamkeit galt wie immer auch dem Thema Pflege: Hunderttausende Menschen in Österreich pflegen ihre nahen Verwandten. Großartige Hilfe wird tagtäglich völlig selbstverständlich geleistet. Wertschätzung gibt es dafür wenig. Kaum eine andere Tätigkeit ist jedoch emotional wie körperlich so beanspruchend, insgesamt so fordernd und befriedigend zugleich. Das Österreichische Rote Kreuz unterstützt die neu gegründete Interessengemeinschaft für pflegende Angehörige.

 

Naturkatastrophen hielten uns in Atem: Bei Hilfseinsätzen für die Hochwasser-Opfer in Österreich bewährten sich die Helferinnen und Helfer des „Team Österreich“. Auch außerhalb unserer Landesgrenzen haben wir geholfen: nach den Erdbeben in Italien und Indonesien, nach Taifunen in Vietnam, China, Taiwan und auf den Philippinen. Mit in- und ausländischen Helferinnen und Helfern unter dem Zeichen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes waren Delegierte des Österreichischen Roten Kreuzes 6.597 Tage im Einsatz. Ein „Geschenk“ zum 150. Geburtstag war für das Rote Kreuz das Ergebnis einer großen Markenstudie in Österreich: Keiner anderen Organisation und keinem Unternehmen wird so viel Vertrauen entgegengebracht wie dem Österreichischen Roten Kreuz. Doch das ist für uns kein Grund, uns zurückzulehnen. Auf uns warten große Herausforderungen: Wie vermeiden wir, dass die Leistungen des Roten Kreuzes als eine Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden? Wie können wir in Not geratenen Menschen noch besser helfen? Warum wir es tun, ist nach wie vor klar: aus Liebe zum Menschen.


 

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